22.05.1982 Berlin - Plänterwald Bericht: OF Rüdiger Pfohl // Fotos: Bert Kubik + Ralf Becker (mit freundlicher Genehmigung) + Bernd Lammel
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OMEGA in Berlin / Plänterwald am 22. Mai 1982 – kein Konzertbericht, aber Erinnerungen an eine unbeschwerte Zeit …
Jener 22. Mai blieb ein unvergessener Tag, der eigentlich am 17. April zur Disco in Oschatz im inzwischen abgerissenen und neu gebauten THOMAS-MÜNTZER-HAUS seinen Anfang nahm: Und zwar an einem Abend mit meinem Kindergarten- und Schulfreund Kay, er schon 18, ich noch 17 Jahre alt, sicher mit ein paar kleinen Pils, dem ein oder anderen Tänzchen und vielen Worten über Musik und Bands. Und irgendwie ergab es sich: Am darauffolgenden Sonntag spielt in Leipzig REFORM - und da wollten wir gemeinsam hin! Es war ein super Konzert, unser erstes gemeinsames und der Beginn einer „unendlichen Geschichte“… Der Abend fand im Großen Saal der Kongresshalle am Zoo statt, die Band in toller Besetzung (mit Hans an der Geige!) und mit toller Musik. Und mit einem sehr interessanten „Rahmenprogramm“: Bei solchen Konzerten in der Stadt war eigentlich immer ein großer Teil der lokalen Musikszene anwesend. So ergab sich eine gesellige Runde mit KARUSSELL an der Bar im kleinen Saal. Bei REFORM ging es natürlich auch um die Magdeburger Szene und die bei uns beiden gerade sehr angesagte Band MAGDEBURG. Diese hatte soeben ihren kollektiven Ausreiseantrag gestellt und war somit nicht mehr existent … Aber es gab auch noch andere Nachrichten: Im Mai sollte OMEGA in Berlin spielen – und wir hatten einen Plan! OMEGA war natürlich eine Nummer, die damals gängigen Titel in ungarisch oder deutsch aus dem Radio hatten wir im Ohr und im Herzen.
Das legendäre Album ELÖ OMEGA / KISSTADION 79 war Teil meiner Plattensammlung und lief fast in Dauerschleife (und in Mono …) auf meinem Ziphona Solid – wenigstens nicht über den leidvoll plärrenden Deckellautsprecher, sondern über eine von meinem Großvater getischlerte und von meinem Vater mit einem Dreiwegesystem bestückte Standbox. Die Platte hatte ich gekauft vom dünnen Lehrlingsgeld in der Mittagspause der Berufsschule in einem der damals vielen Plattenläden in der Leipziger Ernst-Thälmann-Straße. Es kam der Mai und er begann mit einem „verpassten“, weil ausverkauften Konzert am 02. Mai im Riesaer Kino Capitol mit ZSUZSA KONCZ & FONOGRAF… Dann endlich auch mein 18. Geburtstag, verbracht an einem Wochenende in Berlin zu Besuch bei einer katholischen Jugendgemeinde und mit der Bekanntschaft eines Mädchens mit wunderbar langen Haaren. Und so gab es dann einen gemeinsamen Termin: den 22. Mai bei OMEGA im Plänterwald! Die anstehenden Prüfungen der Berufsausbildung waren erst einmal weit weg, das Schreiben von Briefen wichtiger als alles Lernen. Dann endlich der 22. Mai: die Bahnfahrt mit Kay nach Berlin (Hin- und Rückfahrt zum Preis eines Doppelalbums á 32,20 Mark) mit eben jenem Doppelalbumcover im Beutel, für den Fall der Fälle. In der Hauptstadt richtete sich mein Blick dann schon aus der S-Bahn zum Mädchen mit den langen Haaren an der Weltzeituhr als Treffpunkt … Am noch sonnigen Sonnabendvormittag führte mich der Weg durch die Stadt mit Schmetterlingen im Bauch … Das “Haus der ungarischen Kultur“ hatte an diesem Tag geschlossen, so beschränkten sich die Neuerwerbungen auf KARAT / DER BLAUE PLANET - und wenig später hatte ich im Beutel zwei vom ersten Regenguss des Tages durchnässte Plattenhüllen. Dann endlich war es soweit, der Nachmittag nahte: Wir reihten uns ein in einen nicht enden wollenden Menschenstrom von der S-Bahn zum Plänterwald und zur Bühne am Riesenrad. In der ersten Reihe standen wir am Bühnenrand, unmittelbar vor der Band, nass wie die Fische, der Beutel mit den Platten schwamm förmlich im Wasser … Das Konzert fand auf nicht überdachter Bühne statt, die Band samt Technik klatschnass und förmlich unter Spannung knisternd, die an diesem Tag ca. 20.000 Menschen vor der Bühne ebenso. Es war eine Urgewalt und unter heutigen Gegebenheiten einfach nicht mehr vorstellbar. Wir sind danach im Regen aus dem größten Andrang heraus und haben uns unter der Teppichrutsche des Parks untergestellt, neben mir das Mädchen mit Perlen (aus Regentropfen) im langen Haar und dazu das Lied von der Bühne … Die Setlist? Damals noch nicht von vorab durchgestylten Konzerten aus welchen Kanälen auch immer im Netz, sie wurde später selbst mitgeschrieben … Nach dem Konzert sind wir voller Übermut an die Absperrung neben der Bühne, um mit Kugelschreiber die Autogramme der Band auf ein völlig durchweichtes, vormaliges Hochglanzcover platzieren zu lassen! Den guten Parker-Kuli vermisse ich übrigens immer noch …
Quelle: Jugendmagazin “Neues Leben“ 9/82 Originalbeitrag Text: Wolfgang Martin / Foto: Bernd Lammel
Foto: OF Rüdiger Pfohl
Der Zug nach Hause ging dann natürlich erst Sonntagvormittag, Kay und mir blieb eine kalte Nacht in der dann leeren Stadt. Kurz vor Mitternacht wurden wir aufgescheucht am zumindest trockenen Zentralflughafen Schönefeld (welch´ leichtsinnig gewähltes Notquartier!) und zwischen letzter und erster S-Bahn strandeten wir durchnässt am denkbar unwirtlichsten Ort der Stadt, dem Bahnhof Ostkreuz … Es folgte in diesem Jahr dann übrigens noch ein „trockenes“ Konzert mit OMEGA am 10. Dezember und wieder in Leipzig zur Pop-Messe in der alten Messehalle 2 mit meinem kleinen Bruder und einer neuen Begleitung. Das Konzert im Mai 1983 in Jena fiel dann leider schon meinem angetretenen „Ehrendienst“ zum Opfer … Die Zeit ging Ihren Lauf bis zum denkwürdigen Konzert am 04. Juni 2005 in Landsberg und vielen weiteren Konzerten in Regen und Sonne mit alten und neuen Freunden. Aber etwas bleibt für immer aus dem Lauf der Jahre und der Zeit: Um mit OF Torsten zu sprechen: „OMEGA im Herzen“! Und natürlich das MÄDCHEN MIT PERLEN IM HAAR … Vielen lieben Dank an: meinen Freund Kay, die zitierten Autoren Wolfgang Martin und Bernd Lammel, ddr-zeitungskiosk Jörg Steckenbauer, OF Antje und OF Peter für stetige Inspiration und meine liebe Kati.